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Jünger-Preis geht an Franziska Beck

3 Jul

Der Ernst Jünger-Preis geht in diesem Jahr an Franziska Beck:

Jünger-Preis geht an Franziska Beck

Gastbeitrag von Alexander Pschera: Das XIV. Jüngersymposion

10 Apr

Freedom’s just another word….

Impressionen vom XIV. Jünger-Symposium in Heiligkreuztal.

Von Alexander Pschera

Endlich kam auf einer Jünger-Tagung einmal Bob Dylan, der andere große Waldgänger, zur Sprache. Dann darf man wohl auch Janis Joplin zitieren: Freedom’s just another word for nothing left to loose: Freiheit ist das, was übrig bleibt, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Diese Freiheitshypothese hätte gut ins Konzept des XIV. Jünger-Symposiums gepasst, das vom 5. bis zum 7. April im Kloster Heiligkreuztal stattfand.

„Freiheit“ als Einsicht in die (historische, technische, religiöse) Notwendigkeit mag so manchem als Schwundstufe der großartigen liberté erscheinen, von der eine zeitgenössische Zigarettenmarke in kapitalistischer Naivität oder kaltblütiger Berechnung behauptet,  man könne sie „toujours“ leben, wenn man nur den Eifelturm im Rücken oder ein Baguette unter dem Arm hat.

So einfach ist es aber natürlich nicht. Wenn Jünger das Glutwort „Freiheit“ umkreist, dann geschieht das immer im Bannstrahl höherer Mächte. Die „relative Freiheit“ als Einstimmen in den notwendigen Gang der Dinge, die Freiheit also im Angesicht der Gefahr und des Zwangs, war der rote Faden, der sich durch das sehr gut konzipierte und schlüssig aufgebaute alljährliche Treffen des „Freundeskreises der Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger“ zog.

Um „Freiheit“ also ging es, und dabei wurde jeder Stein umgedreht, unter der die Vielgesuchte und Vielbesungene sich verstecken könnte. Man suchte sie im Waldgang (Dietmar Koch), in der Antike (eindrucksvoll: Alexander Demandts Geschichte im Zeitraffer), im Editionsprozess – hierzu sehr schön Helmuth Kiesel mit seinen workshopartigen Ausführungen zur gerade im Entstehen begriffenen historisch-kritischen Ausgabe der Stahlgewitter, die, man hörte und staunt immer noch, schon im Herbst diesen Jahres bei Klett Cotta erscheinen soll.

Welche Freiheit unter dem Sternenzelt wohnt, das erörterte Jörg Magenau, der Autor der zu recht viel gelobten Doppelbiographie der Brüder Jünger in einem Beitrag, der schon durch seinen rokokohaften Titel „Die Jenseitsfrisur“ aufhorchen liess und tatsächlich viel Atmosphäre und Zauber an der Linie zwischen Hier und Dort, zwischen Immanenz und Transzendenz erzeugte.

Ob die Technik nicht doch frei macht, besser: ob es nicht doch eine der Technik inhärente Freiheit geben kann, das suchte der aus Moskau angereiste Alexander Michailowski –  der „russische Hervier“, wie ihn Freundeskreis-Vorstand Georg Knapp liebevoll titulierte -, in einem sehr dichten Vortrag zu ergründen. Er kam zu einem optimistischen Ergebnis, das sich wohltuend dialektisch vom Technikfatalismus vieler Jünger-Exegeten abhob. Jetzt wissen wir: Jünger-Lektüre und Smartphones widersprechen sich nicht.

Der Lübecker Maler und Dichter Johannes Thoemmes, von dem während des Symposiums auch Bilder und Skizzen gezeigt wurden, unternahm dann einen kauzig-freischärlerischen Ritt durchs Gelände des knorrigen Einzelgängertums und sorgte dabei für die eine oder andere zeitlose Anekdote, die sich ins Gedächtnis der Jünger-Freunde einschrieb.

Die sympathische Anna-Sophie Hurst, eine junge Germanistin aus Konstanz, vollzog den wichtigen Anschluß des Jünger-Diskurses an die Generation Facebook. Sie widmete ihre Aufmerksamkeit dem, zugegebener Maßen schwierigen, Freiheits-Begriff in Jüngers Friedensschrift. Ihrem Vortrag schloss sich denn auch postwendend die einzige etwas kantigere Diskussion des Wochenendes an, bei der es um die „Relevanz“ dessen, was Jünger während der Pariser Okkupation schrieb und der Art und Weise, wie wir heute darüber sprechen, für die von der Finanzkrise gebeutelten Griechen ging. Kann man diskutieren, benötigt aber definitiv mehr Raum. Wir warten auf ein Folgereferat zur „Globalen Wirtschaftskrise aus der Sicht von Jüngers Arbeiter“. Das wäre doch mal ein Stück praktischer Philosophie!

Der Ausklang war dann deutsch-französisch und damit heiter-versöhnlich. Der Autor dieser Zeilen verwickelte den Übersetzer Julien Hervier in ein längeres Gedankspiel über „Jünger und Frankreich“, und es war unvergleichlich, mit welcher Nonchalance Hervier aus dem Fundus seines editorischen Wissens und aus seinem reichen Jünger-Anekdotenschatz schöpfte. Der in die Freiheit des Stauffenberg’schen Mokkas – nochmals ein herzliches Dankeschön an Schlossherrin und Schlossherr – entlassene Freundeskreis dankte mit „langanhaltendem, wohlwollenden Beifall“, wie es hier wahrscheinlich heißen muß.

Die Balance zu halten zwischen biographischer Anekdotik einerseits und akademischer Präzision andererseits mag dem einen oder anderen als Quadratur des Kreises vorkommen, wenn es um die Zukunft des „Freundeskreises der Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger“ geht. Sie ist aber, wie das XIV. Symposium bewies, in Wahrheit die Quadratur des Quadrats.

Dazwischen gab es noch, am Samstagabend, ein musikalisches Schlüsselerlebnis, vor dem so mancher zurückgeschreckt sein mag, als er es im Programm angekündigt sah: „Musikkapelle Dürnau e.V. spielt Menken, Strauss, Wagner et. al“.  Aha! Oh je!

Aber: Dürnau ist ein oberschwäbisches Dorf mit 400 Einwohnern. Die Blaskapelle hat konstant 50 Mitglieder. Jeder Achte macht in diesem Dorf Musik. Einmal pro Woche wird geprobt. Das alles ist staunenswert. Und wenn man dann hörte, mit welcher Präzision der Dirigent Ralf Uhl den Strauss’schen Zarathustra in die Aula des Riedlinger Gymnasiums meisselte, wurde einem schlicht warm ums Herz – und das war auch notwendig an diesem kalten April-Wochenende. Denn die Glut der Freiheit allein vermochte weder die oberschwäbischen Temperaturen noch die Riedlinger Aula aufzuheizen.

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Von Alexander Pschera erschienen zu Jünger u.a.: Jünger und Frankreich – eine gefährliche Begegnung?: Ein Pariser Gespräch und Bunter Staub. Ernst Jünger im Gegenlicht